Kunrad 87 März 13 Sauwetter, Stadtrat un Bahnhof

Kunrad 87

Gude, die Herrschafte,

saache Sie mal, geht Ihne es Wetter genauso uff en Seier wie mir? Als nur Kält un Schnee, un des noch Mitte März! Da könnste doch die Kränk kriege, wenn de se nit schon hättst. Wahrscheinlich komme dann die Meteorologe un erklärn uns im Mai, dass es Frühjahr im Mittel richtig warm gewese wär. Meistens muss mer sich ja so was dann zu allem Überfluss auch noch biete lasse. Isch hab des Gefühl, bei dene Wetterfrösch schaffe nur Leut, die so newer de Kapp sin, dass sogar isch dort anfange könnt. Immerhin habbe se mitgeteilt, dass unsern Winter de dunkelste seit Beginn der Aufzeichnunge gewese wär. Alle Achtung, genau so is er mir auch vorkomme. Es besteht also noch Hoffnung!

Schwierig is es natürlich, bei dem Sauwetter guter Dinge zu bleibe. Unserne Politiker gelingt dies zunehmend weniger. Dauernd der Streit um des Bürgerbegehren wege dem erste Stadtrat, isch kann´s schon nit mehr hörn. Jetzt hat mir einer erzählt, die Satzung mit dem Stadtrat, die unner anderem die SPD bekämpft, hätt sie selbst mitbeschlosse. Mittlerweil wird die Stell obendrein schon ausgeschriebe. Was is, wenn des Bürgerbegehren rechtswidrig is? Könne sich dann die Bewerber in die Stell hineinklage? Un muss dann nicht sogar de Röder-Roland eine gerichtliche Klärung herbeiführn? Un findet mer einen Volltrottel, der de ehrenamtliche Stadtrat gibt? Dem müsst mer im Orwischer Rathaus ein Stübsche einrichte, wo er dann nach Feierabend und am Wochenende in aller Stille jeweils einige Kubikmeter Akte bearbeite kann. Am beste e Schlafcouch dazu gestellt, da kann er sich dann hinlege, damit er nicht zusammebricht. Bevor mer soviel Zeit un Geld verplempert, sollt mer also herausfinde, ob es irgend wen gibt, der zu so etwas bereit is. Dann sehe mer weiter.

Un dann die Kniffe, damit Abstimmunge verhindert werde, woraufhin die Opposition kritisiert, dass die Rechte des Bürgers beschnitte würde. Dabei is längst nit ausgemacht, ob so viele Bürger üwerhaupt die Meinung von dene Oppositionsparteie mit ihre paar Prozent Wählerstimme teile.

Auch schön an unserm hiesige Politzirkus is der Hickhack um de Oweräirer Bahnhof. Die freie Wähler hatte em Röder-Roland vorgeworfe, er hätt es Bodegutachte nit vorgelegt. Dann mußte se zurückrudern, es war doch da gewese. Bei dem ganze Bahnhofsirrsinn muss mer zusätzlich noch bedenke, dass dann, wenn die Bahn ihrn Hof noch hätt, in de nächste 340 Jahr nix passiert wär. Gut, mer hat es Gefühl, dass es jetzt, wo die Stadt Eigentümer is, auch noch 339 Jahr dauern könnt bis sich dort was tut, awer immerhin gibt’s jed Woch was zu lese.

Es bleibt nur zu hoffe, dass endlich de Frühling kommt un die Leut widder normal wern. Am beste wär natürlich, dass sich der Herr Lenz noch vor de Ostern vorstellt, damit mir e paar schöne Feiertage habbe. Dieses wünsch ich mir un ganz besonders auch Ihne.

Meine Verehrung

Ihne Ihrn Kunrad

Kunrad 86 Februar 13 Stadtrat als Ehrenamt

Kunrad 86

Gude, die Herrschafte,

also unser Oppositionsparteie von SPD, FDP un Freie habbe ja jetzt e mords Ding ausgegrabe: Der erste Stadtrat soll in Zukunft ehrenamtlich tätig sein, also fer umme! Es würd mich dabei interessiern, wer von dene Oppositionelle so einen Job, der zukünftig nur Ärger bringt, kostenlos mache würd. Ich möchte wette, dass sich da keiner find!

Allerdings könnt ich mir vorstelle, den Poste zu übernehme, wenn man mir entgegenkommt. Also die doppelte Buchführung, mit der sich der Stadtrat als Kämmerer herumschlage muss, die müsst in eine einfache Buchführung umgewandelt werde. Meine einfache Buchführung besteht aus drei Komponente: Erstens aus Quittunge un Belege, zweitens aus einem Schuhkarton, in den erstere hineingefeuert werde, un drittens einem Steuerberater, der aus dem ganze Schlamassel was Vernünftiges macht. Auch möchte ich nicht jeden Tag stundenlang im Orwischer Rathaus sitze un mit zahlreiche Anliegen von Bürgern behelligt werde. Als Ehrenamtlicher wär ich vielmehr für Jubiläen un Feierstunde zuständig, jedenfalls dann, wenn ich da keine Red halte müsst. Wenn ich ehrlich bin, wär ich als Ehrenamtlicher nur zu gebrauche, wenn die ganz Arbeit de Röder-Roland macht. Der hat awer jetzt schon genug am Hut.

Selbst am Stammtisch, der Politiker eher ablehnend gegenüber steht, hat jetzt einer gesacht, die Forderung nach einem ehrenamtliche Stadtrat könnt nur jemand erhebe, der von unserne Verwaltung rein gar keine Ahnung hat. Mer hört auch, dass de Rotter Jörg, der das Himmelfahrtskommando übernehme soll, alles andere als völlig begeistert von seinem zukünftige Betätigungsfeld wär, was sehr deutlich zeigt, dass es ehrenamtlich einfach nicht geht.

Ich kenne auch niemanden, der von der Forderung der Opposition begeistert ist, zumal das angestrebte Bürgerbegehren auch juristisch nicht ohne Probleme zu sein scheint. All das kostet Zeit un Geld; mer möchte grad rufe: Lasst´s doch sei!

Awer, wer weiß, was am End herauskommt, Hauptsach, mer hat was gemacht. Gemäß diesem Motto mach ich jetzt auch was, und zwar mich vom Acker!

Meine Verehrung

Ihne Ihrn Kunrad

Kunrad 85 Januar 13 Neuer 1. Stadtrat un Fantastereie

Kunrad 85

Gude, die Herrschafte,

derf mer eigentlich noch frohes neues Jahr wünsche? Ach, wisse Sie, mir sin Etikette egal, ich mach´s einfach!

So e neu Jahr bringt ja viel Neues, sonst würd´s ja nit Neujahr heiße. Vor allem in Erste-Stadtrat-Sache hat sich Einiges getan. De Sturm Alexander hat erklärt, dass er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung stünde. Alle Achtung, das is mal was! En Politiker, der freiwillig sein Amt aufgibt. Viele andere sind hierzu ja erst bereit, wenn sie nach allerhand Skandale un Panne zum Deiwel gejagt werde. Isch kenne Leut, die sage, de Sturm Alexander hätt des ganz gut gemacht, vor allem, wenn mer bedenke würd, wie viele Schulde nicht hausgemacht, sondern uns von der großen Landes- un Bundespolitik aufgelastet worde wärn.

De neue Mann, de Rotter Jörg, steht schon bereit mit seinem hoffentlich breite Buckel. Weil der muss jetzt Kürzunge und Steuererhöhunge durchsetze, die sich gewasche habbe. Wenn wir bis 2018 ein ausgeglichene Haushalt vorlege solle, was ja der Schutzschirm verlangt, dann gibt´s awer an alle Fronte kräftig uff die Nuss!

Schön ist dann awer, dass mir ein Leitbild verabschiedet habbe, in dem vieles Schöne un Wünschenswerte aufgenomme worde is. Neue Betriebe werde angesiedelt un die Ortskerne verschönert, es gibt Treffpunkte für die Jugend, ein Radwegenetz, ein Kulturcafé, bezahlbare Wohnraum un seniorengerechtes Wohnen. Quasi alles Wunderbare, was mer sich denke kann, wurd ins Leitbild aufgenomme. Super! Dafür also hat mer eine Bürgerbefragung durchgeführt un in Arbeitsgruppe diskutiert, dass das rauskommt, was mer sowieso schon vorher gewusst hat. Lauter schöne, unbezahlbare Zukunftsvisione fern jeder Realität. Isch hätt gern emal eine Zahl, was die ganz Träumerei gekost hat, vielleicht kehrt mer dann ganz schnell widder auf den Boden der Tatsache zurück.

Im Leitbild wird sich bezahlbare Wohnraum gewünscht, in de Realität wird die Grundsteuer, die auf die Mieter umgelegt wird, gewaltig erhöht. Von welchem realistische Geld soll es Kulturcafé bezahlt werde? Auf welchem tatsächlichen Areal solle die fantastische Firme angesiedelt werde? Mer darf bei solche Leitbilder keine Frage stelle, sonst macht mer alles kaputt!

Deshalb zieh isch mir e Larv uff un stürze mich in die Fastnacht. Die hat das sehr realistische Leitbild „Humba, humba, täterä“ un weiß, “am Aschermittwoch is alles vorbei!“

Feiern Sie doch auch mit un habbe Sie Spass, vielleicht sehe mer uns. Hellau!

Meine Verehrung

Ihne Ihrn Kunrad