Kunrad 191 November 2021 Die letzte Pfarrer, die bleede Mensche un es Knoddele

Kunrad 191

Gude, die Herrschafte,

die Situation bei de Rödermärker Katholike is ernst. Oweroure hat sein letzte Pfarrer mit Elmar Jung verlorn. Das Amt wird vom Orwischer Pfarrer Klaus Gaebler mitgemacht. Der wiederum dürfte dann de letzte katholische Pfarrer Rödermarks werde. Da rotiert wahrscheinlich manch erzkatholischer Ahn in seiner Gruft. Es bleibt dann bei uns nur noch de Gang zu de Evangelische, wenn mer einen Rödermärker Pfarrer sehe will. Ein Durchschnittskatholik dürfte sowieso die Meinung vertrete, dass der ganze Klimbatsch mit Zölibat un Ausschluss der Fraue vom Priesteramt uff de Müllhaufe der Geschichte gehört. Awer solang sich da nix ändert, is es halt Essig.

Isch hab dabei sowieso zunehmend es Gefühl, dass so kirchliche Theme wie Rücksicht auf den Nächsten oder auf Kranke nicht mehr im Mittelpunkt stehe, siehe aktuell… ach Sie wisse schon! Der Mensch is halt ein Depp un macht sich die Welt, wie´s ihm grad passt. Angenomme, Sie verschulde ein Verkehrsunfall. Am Anfang wisse Sie ganz genau, dass Sie schuld sin. Awer dann fange Sie an, nachzudenke, un dann is de anner ja auch nit so gefahrn, wie mer´s soll, die Sonn stand zu tief, des Auto is falsch konstruiert, die Zeuge habbe alles falsch wahrgenomme usw. Das geht dann solang bis Sie wisse, Sie warn´s gar nit. Bis zum Schluss die Katastrophe da is, nämlich es Urteil, das das ausspricht, was Sie von Anfang an sowieso gewusst habbe. So is des auch bei annerem. Als Corona kam, hatt mer des akzeptiert. „Is ja nur e Gripp!“ Dann kame die Maske. „Owei isch muss was mache, was mir nit passt.“ Also gab´s bei manchem kein Corona mehr. Als mer´s dann nicht mehr wegdiskutiern konnt, warn die Maßnahme zu hart un jetzt sin mir beim „Mit mir nit, weil dorim!“ Also der Verweigerung aus Starrsinn nahe dem Irrsinn. Un dann is halt die Katastrophe im Anmarsch!

So wird das mit de Klimakrise genauso. Erst gab´s die nit, dann musst sie aufgrund unwiderlegbarer Fakte akzeptier werde, dann hab isch Nachteile, dann gibt es sie widder nit, dann sin die Maßnahme zu hart, dann kommt es „Mit mir nit, weil dorim!“, also die Verweigerung aus Starrsinn nahe dem Irrsinn. Un dann kommt halt die Katstrophe.

Mache mir uns kein vor, mir sin all e bißje in der Richtung, die eine mehr, die annern weniger. Kurz zusammengefasst in meinem folgenden Gedicht: „De Welt es besser gehe deht, wär de Mensch halt nit so bleed!“

Awer es gibt auch Positives: Unentwegte in Stadtverwaltung un Vereine wolle an Adventsmärkt un Fastnacht festhalte, solang es irgend geht. Das is doch emal was. Vielleicht gebe mir besser die Hoffnung nit uff un knoddele weiter. Isch wünsch jedenfalls in diesem Sinne en schöne Advent trotz allem!

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Ihne Ihrn Kunrad

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Tachebuch 26.01.2022 (FFH Ortsfrieden)

Gude, die Herrschafte,

drei Tach war Rödermark im Radio präsent un Medienthema, wie sich´s auch gehört. Un jetz auch noch im Fernseher bei RTL, wie Sie unne bzw. unner „Dokumente“ sehe könne. Un was im Fernseh is, is wahr, odder?

Isch hab gehört, die vom FFH hätte auch noch Geld dagelasse für e Friedensfeier in bessere Zeite. Wahrscheinlich hat des de Borjemoaster. Bitte nit vergesse! Wenn`s dann was für nix gibt, sollt mer vielleicht emal vorbeigucke.

Meine Verehrung 

Ihne Ihrn Kunrad

 

Kunrad 190 Oktober 2021 Beim Italiener

Kunrad 190

Gude, die Herschafte,

isch will heut mal nit uff die gängige Probleme mit Epidemien, Ampel-Koalitione im Bund odder wiedergewählte Landrät eingehe, sondern darauf hinweise, dass wir langsam in Gang komme müsse. Da muss mer auch emal widder en Spaß mache dürfe.

Isch hab damit angefange, letzt wie isch mit meiner Fraa beim Italiener war. Da hab isch mer gedacht, jetzt mach isch emal e Witzje. Fragt mich der Kellner, was isch trinke möcht, hab isch geantwort: „Eine Kanne Loni!“ E Witzje halt! Wenn Sie verstehe, Kanne Loni is also quasi Cannelloni, was mer esse kann, haha. Mei Fraa hat nur die Auge verrollt. De Kellner awer hat mich fragend angeguckt un gesacht: „Es tut mir leid, ein Getränk mit Namen Loni führen wir nicht. Und Kannen werden üblicherweise in der Milchwirtschaft eingesetzt, nicht aber in unserem Etablissement!“ Oha, bin isch ausgerechnet an ein Spaßvogel gerate, ein deutscher Kellner beim Italiener! Der hat mir grad noch gefehlt! Hab isch gedacht: „Sei nur froh, dass mein Nachbar nit debei is, der hätt jetzt nämlich e „Pizza Hausmacher“ bestellt, un bei einer Antwort, dass es die nit gäb, mit Sicherheit eine „Pizza Salmonella“ geordert.“ Gut, mei Fraa sacht zu solche Äußerunge vom meim Nachbar hinnerher immer, dass es nur zwei Volldeppe uff de Welt gäb, die üwer so ein arme Kram lache könnte, nämlich de Nachbar un der ähnlich gestrickte Mann, mit dem sie verheerender Weise in eim Bett schlafe müsst. Dann guckt sie mich von unne in einer Art fragend an, die nur eine Deutung zulässt: „Wieso hab isch den Simbel bloß geheiert?“
Egal, awer jetzt in diesem Zusammenhang mal ein Tipp für Sie. Wenn Sie in einer Pizzeria sitze un die einfachst Pizza kost mehr als 10 Euro, sin Sie bei einem Nobelitaliener gelandt. Meist versteht mer da die Speisekarte schon nit. De größte Fehler, den Sie da mache könne, is, die Bedienung in ihrer Not zu frage, was sie heut empfehle könnt. Da kommt dann e Antwort erausgeschosse, wo Sie noch weniger verstehe. Dann sache Sie, weil Sie sich nit blamiern un nachfrage wolle, auf keinen Fall: „Gut, das nemm isch!“. Sonst kriege Sie nämlich einen Fisch unbekannter Art, e Flasch Weißwoi un die Gewißheit, dass Sie am nächste Tach zum Geldabhebe uff die Bank müsse. Dazu gibt´s e Gabel un e Gerätschaft, die weder Messer noch Löffel, sondern irgendwas dazwische is. Der Ruf nach einer Gebrauchsanweisung is sinnlos, die gibt´s nit. Un wenn Sie dann anfange, in unfachmännischer Art den Fisch zu drangsaliern, sin die Gräte im Hals sicher. Deshalb bestellt mer in solch ausweglos scheinende Situatione e Pizza Salami un gut is. Auch wenn Sie der Kellner noch so herablassend anguckt, der muss es ja nit esse! Also beachte Sie das, dann kann nix schiefgehe.

Abschließend noch was ganz anners: Die weihnachtliche Märkte in Rödermark solle stattfinde. Es steht zu hoffe, dass des kein Witzje is.

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Ihne Ihrn Kunrad

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Kunrad 189 September 2021 Wahle, Kerbe, Impfunge

Kunrad 189

Gude, die Herrschafte,

leider wurden diese Zeilen vor de Bundestagswahl oder wichtiger noch: de Oweräirer Kerb uffs Papier gebracht.
So konnt isch Ihne keine Wahlempfehlung mit in die Kabine gebbe, was vielleicht auch besser war. Früher war´s einfach. Da gab´s hier nur die DKP, also die deutsche katholische Partei, awer von dene hört mer ja auch nix mehr. So habbe Sie dann vermutlich vor sich hin gewählt un es Ergebnis wird wahrscheinlich ein einziges Durcheinanner mit Koalitionsprobleme un monatelangem Verhandele sei. Die Merkel wird wohl noch die Neujahrsansprache halte.
Wer de neue Landrat is, weiß isch in diesem Moment auch nit. Wenn´s de alte bleibt, dann auch deshalb, weil mer monatelang keine negative Schlagzeile bezüglich der unneren Naturschutz un annerer Kreisbehörde gelese hat. Geht doch! Auch hat mer de Herr Landrat Quilling in de letzte Woche uff gefühlt hunnert Fotos von Einweihunge un Veranstaltunge aller Art gesehe. Der war wahrscheinlich lang nit in seim Dienstzimmer. Gut, des macht jeder Amtsinhaber so un is deshalb kaum zu beanstande.
Schön war, um zu was ganz Annerem zu komme, natürlich, dass an de Orwischer Kerb bei Viktoria un offener Arbeit was los war. Das hat mich sehr gefreut. Isch geh davon aus, dass auch bei de Kerb in Oweroure in de Kneipe, bei Après-Ski-Komitee, Germania, Kerbverein un TS zahlreiche Besucher warn. Vielleicht mehr davon beim nächste Mal, wo es dann womöglich darum geht, Weihnachtsmärkte in Rödermark zu fordern. Isch warne schon mal vor.
Noch was zum blöden Dauerthema. Mir dürfe Leut, die sich nit impfe lasse wolle, nit ausgrenze, mir müsse mit ihne rede. Gucke se mal, jeder von uns hat e paar Ansichte, die mer im Grund genomme vergesse kann. Wenn mer jeden Zeitgenosse, dessen Meinung grad nit passt, an de Pranger stelle würde, wär isch wahrscheinlich beizeit dort, awer Sie, liebe Leserinne un Leser, auch! Bedenke Sie bitte, dass die Desinformationsabteilunge von China un Russland ständig Falschinformatione ins Internet jage, nur um unsere Gesellschaft zu spalte. Das war bei de Pandemie so un wird demnächst mit tausende frei erfundene Nachrichte zum Klimawandel weitergehe. Dene sollte mer langsam nit mer uff de Leim gehe. In de USA habbe se ja schon viel erreicht. So blöd sollte mir dann doch nit sein.
Isch will auch noch zu bedenke gebe, dass es nächst Jahr im Sommer nur 3G gebe wird: Genesene, Geimpfte un Gestorbene. Ich bete darum, dass der Anteil an letzter Gruppe verschwindend gering sein wird. Awer wenn mer weiter so e niedrig Impfquote habbe, könne mer viele Veranstaltunge, insbesondere an Fastnacht, nur mit Genesene un Geimpfte odder gar nit mache. Wie schön wär´s, wenn sich doch noch manche, auch wenn nit unbedingt überzeugt, impfe lasse würde. Macht´s nit für euch, sondern für uns all! Damit dieser Alptraum endlich vorbei is. Dann hätte mir en goldene Herbst un en veranstaltungsreiche Winter vor uns!
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Kunrad 188 August 2021 Kerbdesperados un Klimawandel

Kunrad 188

Gude, die Herrschafte,

zunächst ein großes Lob an die Kerbdesperados Rödermark, die entgege den Aussagen der Stadt, dass die Kerb abgesagt is, nun doch die Kerb feiern. Vorab die Viktoria in Orwisch die eine Waldkerb von Freitag bis Sonntag veranstaltet. Dafür wird ein sogenannter Shuttle-Service eingerichtet, sprich: du wirst hingefahrn un zurückgebracht.
In Oweroure wird die Germania ihrn Biergarte an Kerb offe habbe, de Kerbverein is im Dinjerhof, es Apres-Ski-Komitee womöglich im Pfarrgarte un die TS an ihrer Hall. So is es richtig!
Fragt sich nur, ob diese Planunge in die Realität umgesetzt werde könne, weil ja unser Behörde sehr gern Auflage mache, die nur bedingt mit de Vorgabe der Landesregierung in Einklang zu bringe sind. Meine Bitte an Stadtverwaltung un Landratsamt: Prüft wohlwollend! Im Übrige is ja am 26. 9. Landratswahl, da kann mer gegebenenfalls seinen Kommentar unmittelbar abgebe.

Ansonste habbe mir ein Sommer, der eher herbstlich is, un es regnet dauernd emal. War früher so üblich un üwer Jahre so schlimm, dass sogar de Rudi Carell gesunge hat :“Wann wird´s mal wieder richtig Sommer“. Wenn mer früher mit de Bauern im strahlendste Sonneschein uffs Feld gefahrn is, hatt´ sich jeder beeilt, vorm späte Nachmittag fertisch zu sein, weil da war regelmäßig Gewitter. Früher gab´s auch weniger Biergärte, weil sich des bei dem Mistwetter gar nit gelohnt hätt. Wenn jetzt also einer anfängt un erklärt, den Klimawandel gäb´s angesichts dieses Sommers gar nit, dann hatt der keine Ahnung von dem, was früher war. Die heiße Sommer, die bei uns fast schon normal sin, gab´s damals so gut wie nie.
Ein Tipp aus de Wertschaft! Ein Thekensteher gab bekannt, er kämpfe durch die Herstellung von Eiswürfeln un das Kaltstellen seiner Getränke gege die Erderwärmung. Damit würd er entscheidend zur Abkühlung beitrage. Isch hab en dann gefracht, wie dann der Strom für´s Kühle gemacht würd, da tät ja meist auch Erhebliches abgebrannt werde. Sacht er, dass er des wüßt, awer mer könnt ja mit Strom auch Wasser warm mache, un des wär die größt Klimasünde. Wenn alle Mensche kei Supp mehr warmmache, sondern nur noch Getränke kühle würde, wär´s um uns all besser bestellt. Diese Logik war so zwingend, dass isch mir ganz schnell en Schnaps bestelle musst, sonst hätt isch´s nit ausgehalte.
Isch will nur hoffe, dass de Rest der Menschheit ein wenig bessere Ideen hat, damit mir auch des irgendwie üwerstehe. Un gehe Sie uff die Kerb, damit Sie uff annern Gedanke komme als isch.

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Kunrad 187 Juli 2021 Immer widder Bahnüwergang un Rödermärker Kerbabsage

Kunrad 187

Gude, die Herrschafte,

Sie dürfe folgenlos behaupte, dass dem Kunrad nit zu traue is, weil er seine Verspreche nit hält. So hatt´ isch Ihne im November 2019 versproche, nie mehr über de Oweräirer Bahnüwergang zu schreibe. Un jetzt muss isch´s doch, auch wenn´s zum Heule is.
Die Stadt hat nämlich ein Verkehrsplaner namens Klaus Freudl beauftragt, der letztlich das bestätigt hat, was isch im November 2019 un etliche Male vorher schon geschriebe hab, nämlich, dass eine Unnerführung so gut wie unmöglich is.
Mit mir is der Gutachter der Meinung, dass eine Unnerführung des besagten Bahnüwergangs nit durchführbar is, da zahlreiche Straße quasi abgehängt wärn un ein Riesenbauwerk von 155 Meter Länge entstehe würd un eine Verkehrsbelastung in Nebenstraße die Folge wär. Nur irrt der werte Herr bei den Kosten des von der Stadt zu kaufende Grund und Bodens, EUR 750.000 für 12 Grundstücke lange da nit, da kann mer vielleicht vom fünffache dieses Betrags ausgehe, un dann wird´s auch noch eng. Wenn die Stadtverordnete nur mal mir gefolgt wärn. Mei Expertise hätt´ genau 70 Cent für´s Heimatblatt gekost´, wahrscheinlich war da de Gutachter Freudl e paar Cent teurer.

Gut, es is natürlich zu konstatiern, dass die Meinung von em alte Angeber wie mir, dem mer nit traue kann (siehe oben), nit grad Grundlage für Entscheidunge der Stadtrverordnete sein kann. Letztlich hat mer den Herrn Gutachter wohl gebraucht, damit es jetzt auch de Letzte kapiert hat: Eine Unnerführung geht nit!

Isch versprech Ihne awer in dieser Hinsicht gar nix mehr, weil mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in e paar Jahr irgendeine Rödermärker Partei mit dem gleiche Blödsinn widder komme un uff Stimmefang gehe wird. Oh Bahnübergangsunnerführung, du verfolgst mich bis zum Ende aller Tage!

Genauso verfolgt mich anneres Schlimmes: Die Stadt hat die Kerbe schon widder abgesagt, obwohl das bekanntlich gar nit geht! Mir fällt da nur das bei allen Verwaltungen weltweit beliebte Motto ein: „Nix mache is immer einfacher!“ Diesmal hatt´s die Stadt so gedeichselt, dass sie de Vereine erlaubt, eigenständig Kerbveranstaltunge zu mache. Das wird großartig, wenn die Orwischer an de Hauptverkehrsstraß zum BSC un de Viktoria pilgern bzw. in Oweroure Germania, TG un TS ihr Biergärte öffne. Letztere allerdings maximal bis 22 Uhr, weil dann sich ja widder Bürger, die noch nie mit Tätigkeiten für´s Gemeinwohl aufgefalle sin, beschwern. Was awer überflüssig sein könnte, wenn schon vorher der wieder zu wählende Herr Landrat in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der örtlichen Renitenz unter Unnerstützung der allgemein ebenso einschlägig bekannten wie gefürchteten Kreisbehörden alles so untersagt, dass eine Durchführung von vornherein sinnlos is. Das trostlose „Wem is die Kerb? De Behörde!“ muss verhindert werde. Mir müsse langsam die durch ständige Verbote verursachte Mutlosigkeit überwinde. Isch setze uff alle Orwischer un Oweräirer Kerbdesperados! Auf geht´s!

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Kunrad 186 Juni 2021 Pandemie Kultursommer un Kerbhoffnunge

Kunrad 186

Gude, die Herrschafte,

mir hoffe ja all, dass mer die Dreckspandemie langsam hinner uns habbe, währenddem immer neue Variante auftauche, die Lauterbach un Konsorte uff de Plan rufe. So hat mer immer das schleichende Gefühl in de Hirnrinde, dass mer die Seuche nie in de Griff kriege.

Gut, wenn mer die Fußball-EM betracht un die 55.000 Zuschauer in Budapest sieht, da meint mer, dass alles vorbei wär. Nur Ungarn – die habbe da ja so e mords Führungspersonal, dass das Vertraue in die Maßnahme vor Ort nit unbedingt im Bereich des Unermesslichen liegt.

Ungeachtet dessen legt die Kultur widder los. In Rödermark heißt das Kultursommer. Awer ähnliches gibt’s auch in Rodgau, Selljestadt odder Dietzebach, um nur einige zu nenne. Mir kommt das so vor, wie damals an Silvester 1999. Üwerall Veranstaltunge, um optimal ins neue Jahrtausend zu komme. Mei Fraa hat sellemals so viele unnerschiedliche Festivitäte herausgesucht, dass sie sich üwerhaupt nit entscheide konnt. Es End vom Lied: Mir habbe daheim herumgesesse un Fernseh geguckt. Da hat sich es neue Jahrtausend wahrscheinlich gedacht: „Bei so trübe Tasse muss isch mich auch nit anstrenge!“ Wo das hinführt, habbe mir ja jetzt schmerzlich erlebt.

Isch kann Ihne all somit nur zurufe: „Gehe Sie aus em Haus un unterstütze Sie die Kulturtreibende, Vereine un Gaststätte. Jetzt gilt´s!“ Die Kneipe, die morje zu macht, macht üwermorje garantiert nit mehr uff!

In diesem Zusammenhang bitte isch die Vereine un die Stadtverwaltung flehentlich, in diesem Jahr die Kerbe in Orwisch un Oweroure stattfinde zu lasse, wege mir nur im Freie odder mit feste Plätz in de Zelte – egal, Hauptsach, es geht widder los. Isch verspreche auch, dass isch vorbei guck un kräftig Umsatz mache.

Es müsse widder Zeite komme, die in Richtung „Oha, das kenn isch doch!“ gehe. So schlecht war das damals nämlich alles nit, wie mer rückblickend erstaunt feststelle kann.

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Kunrad 185 Mai 2021 Nachwuchs, Vogelzählung, Rodgaudomfreunde un Inzidenz unner 100

Kunrad 185

Gude, die Herrschafte,

„Die Zukunft leucht´ hell, isch brauch e Sonnebrill!“, könnt mer rufe anlässlich vieler guter Nachrichte. Nit nur, dass in de Bürgermeisterfamilie Rotter Nachwuchs eingetroffe is, Glückwunsch nachträglich dazu, is sehr positiv, auch anderes kann man nur unner „Es geht uffwärts!“ verbuche.
So hat de Nabu beim diesjährige Tag der Vogelvielfalt 85 unnerschiedliche Arte binnen 24 Stunde zähle könne un somit de Rekord von bisher 72 übertroffe. Aufgrund der geschlossenen Gaststätten is ausgeschlossen, dass die übliche „Vögel“, die mer in jeder Kneipe so trifft, in die Zählung miteingeflosse sin. Jedenfalls müsse mer uns all über jed Vogelart freue, die hier noch heimisch is.
Dann habbe sich jetzt die „Freunde des Rodgaudoms“ gegründet, die Geld zum Erhalt von St. Nazarius in Oweroure sammele. Auch die Orwischer sin bezüglich St. Gallus rührig. Beide Kirche müsse saniert werde, des kost Summe, dafür müsst e Oma ca. 24000 Tach ununterbroche stricke, wenn se pro Tach etwa 70 Euro erwirtschafte würd. Pro Kirche versteht sich. Es wird einem schwindelig!
Noch doller is allerdings, dass die Inzidenz (was immer das auch sein soll) bei uns unner 100 geht un deshalb die Außengastronomie widder öffne kann. Beim Niederschreiben dieser Zeilen war noch eher schlechtes Wetter, awer ich hoff, dass beim Lesen derselben bei Ihne Sonneschein is un mer widder Richtung Biergarte unnerwegs sein kann.
Unner uns: was isch in de letzt Zeit für e Gesicht gemacht hab, könne sie gar nit ermesse. Mei Fraa hat gesacht, isch würd aussehe wie es Leide Christi. Des kann die zwar gar nit wisse, weil se damals noch nit geborn war, awer isch hab schon nit mer in de Spiegel geguckt, so hab isch mich als erschrocke. Isch hatt Augehöhle wie de Klaus Kinski in de alte Edgar-Wallace-Filme un wollt schon frage: „Tee, Mylady?“ Grauslich! Un dauernd daheim mit Gattin, Tageszeitung un Fernsehprogramm, also mit de drei Pfeiler des Schreckens. Da kannst du schon aussehe wie die Satteltasch vom Fuzzy in de Western von gestern.
Isch wünsch uns daher all, dass jetzt es Wetter besser wird un mir raus könne in die Welt. Auf geht´s! “Die Zukunft leucht´hell, … Sonnebrill!“ (siehe oben).

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Kunrad 184 April 2021 Orwischer Glocke, Individualismus un Fassungslosigkeit

Kunrad 184

Gude, die Herrschafte,

der Uffreger der letzten Wochen war nit, dass CDU un AL/Grüne widder Koalitionsverhandlunge führe, sondern vielmehr der Orwischer Neubürger, der sich gege es Läute von de Glocke vom Kerschturm von St. Gallus wehrt.
Isch sach schon lang, dass es unser Gesellschaft geschafft hat, jedwedem Individuum maximale Rechte auf Kosten der Gemeinschaft einzuräume. Wenn mer sieht, wie irgendwelche Anwohner/inne Volksfeste, Konzerte oder sonstige Veranstaltunge zu Lasten Tausender lahm lege, kann einem nur es Heule komme. Unser Staatsgemeinschaft sollt langsam mal anfange, nit nur Rechte zu gewähren, sondern auch Pflichte einzufordern. Wie wär´s beispielsweise mal mit Toleranz?
Awer stattdesse habbe die besonders feine Herrschafte Hochkonjunktur. Sie ziehe aufs Land un wehrn sich gege de Gestank vom Bauernhof, sie ziehe nebe Kirche un wehrn sich gege Glocke, sie ziehe an die See un wehrn sich gege es Meer. Konnt ja keiner wisse, dass es Welle gibt un de ganze Kram so nass is! Das sin die Sorte, die sich kurz vor Mitternacht de Wecker stelle, damit sie de Glockenschlag nit verschlafe. Was ein Ärger, wenn mer sich nit ärgern kann!
Isch frag mich immer, was in so Mensche vorgeht, die die meiste ihrer Mitbürger nur als Plage ansehe. Isch möcht nit irgendwann sterbe, in der Gewißheit, dass sich mei Nachbarschaft darüber freut un uffatmet, dass isch endlich fort bin.
So könne einem solche Begebenheite im Zusammenhang mit den tagtäglichen Alpträumen nur noch depressiver mache. Dann liest du, dass im Freie nahezu keine Ansteckunge passiern könne un unser Volksvertreter auf diese erfreuliche wissenschaftliche Feststellunge so reagiern, dass mer sich draus noch weniger sehe darf. Ja, geht´s noch odder brummt de Apparat?
Ganz ehrlich, isch würd gern mit em Witz odder em dumme Spruch uffhörn, awer mir fällt wirklich nix mehr ein.

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